Berichte
Wenn das Grau das Leben auffrisst
Quelle: Der Patriot, 12.06.2026
Ostendorf-Literaturkurs bringt „Pleasantville“ sehr überzeugend auf die Bühne
Lippstadt – Eintönig schwarz-weiß oder bunt und vielfältig? Mit dieser Lebensfrage haben sich die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses des Ostendorf-Gymnasiums auseinandergesetzt.
„Die Farben des Lebens“ heißt ihr Stück, das sie am Mittwoch im Rahmen der „Schultheatertage“ auf der Lippstädter Studiobühne gezeigt haben. Es basiert auf dem Film „Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein“ aus dem Jahr 1998.
David (Benedikt Bettin) und Jennifer (Julia Fischer) sind typische Teenager der Neunzigerjahre. Als sie sich um eine Fernbedienung streiten, landen sie mithilfe der Magie einer geheimnisvollen Mechanikerin mitten in der alten Schwarz-Weiß-Fernsehserie „Pleasantville“ aus den Fünfzigern. Es ist Davids Lieblingsserie, die eine scheinbar perfekte Kleinstadtidylle beschreibt. Die Geschwister schlüpfen in die Rolle der Figuren Bud und Mary Sue. Das hat nicht nur Folgen für die beiden, sondern für ganz Pleasantville.
Wie die Schülerinnen und Schüler die Entwicklung und auch die Verwicklungen beschreiben, ist ebenso spannend wie dramatisch und auch immer wieder urkomisch. Herrlich, wie beispielsweise Jennifer einer Freundin ins Ohr flüstert, was Sex bedeutet. Die Szene lebt allein von der Mimik. Die jugendlichen Darsteller spielen auf den Punkt. Es gibt interessante Gruppen-Choreografien und eine sehr gut abgestimmte Hintergrundmusik. Das gesamte Stück beeindruckt mit Pausen und Tempo an genau den richtigen Stellen.

Jennifer und David (l.) müssen sich urplötzlich in der schwarz-weißen TV-Serien-Welt zurechtfinden. Foto: Wissing
Bemerkenswert ist die ausgefallene Requisite. Die Fünfzigerjahreküche, die Utensilien, Möbel und selbst ein Fußball, wurden mit schwarz bemalter, weißer Pappe selbst hergestellt. Immer dazu passend die entsprechenden Projektionen auf der Leinwand. Die schwarz-weiße Kleidung tut ein Übriges, um den Eindruck zu unterstreichen.
Erst als die beiden Eindringlinge durch ihr Verhalten Emotionen auslösen, Fragen hervorrufen, Kritik am sorgenfreien, aber monotonen Leben, verändert sich das Leben in der Kleinstadt mehr und mehr. Es gipfelt in einer spektakulären Bücherzerstörung und einem Aufstand. Immer mehr Farbe kommt ins Spiel. So geschickt, dass man es kaum merkt. Der schwarz-weiße Fußball kullert plötzlich orangerot über die Bühne. Nach und nach ändert sich die Kleidung der Protagonisten. Die typische Kleinstadthausfrau verlässt Herd und Ehemann. Sie trägt ein signalrotes Shirt.
Das Ensemble agiert absolut überzeugend und verfügt über einige Talente. Vor allem Benedikt Bettin gibt einen hinreißenden David. Er bestimmt das Tempo im Stück, spielt mit hervorragender Mimik, Gestik und akzentuierter Stimme. Man möchte dem jungen Mann eine Schauspielausbildung ans Herz legen. Dabei spielt er die anderen nie an die Wand, zieht sie eher mit.
Und natürlich siegt am Ende die Farbe. Die Botschaft lautet: „Das Leben wird bunt, sobald wir uns trauen, wir selbst zu sein.“ Die von Sabine Lepping geleitete Aufführung bekommt stürmischen Applaus.


